Durchführungsrichtlinien Zertifikat "Epidemiologie"
Zielsetzung Durch das Zertifikat wird dem Zertifikatsinhaber die fachliche Qualifikation für Leitungsaufgaben im Bereich der Epidemiologie bescheinigt. Das Zertifikat »Epidemiologie« wird durch den Anerkennungsausschuß an Personen verliehen, die
- über ein breites epidemiologisches Wissen
und
- über eine mehrjährige Berufserfahrung verfügen.
Bewerber für das Zertifikat müssen deshalb den Nachweis erbringen, daß sie
- eigene epidemiologische Forschungsarbeiten durchgeführt
und
- an einer qualifizierten theoretischen Weiterbildung teilgenommen haben.
Ihr Wissen wird zusätzlich in einer mündlichen Aussprache überprüft. Die Weiterbildung und Anerkennung werden durch Richtlinien geregelt.
Richtlinien für die Erteilung des Zertifikates »Epidemiologie« Das Zertifikat »Epidemiologie« bescheinigt ausreichende Qualifikationen im Sinne der oben genannten Zielsetzung aufgrund
- eines adäquaten abgeschlossenen Eingangsstudiums
der Medizin, der Naturwissenschaften oder der Sozialwissenschaften. Auch Absolventen anderer Hochschulstudiengänge können sich um das Zertifikat bewerben, wenn entsprechende Kenntnisse nachgewiesen werden.
- einer praktischen Qualifikation
d.h. eine mindestens fünfjährige praktische Tätigkeit auf dem Gebiet der Epidemiologie.
- einer zum Inhalt des Eingangsstudiums komplementären, theoretischen Weiterbildung
Eine theoretische Weiterbildung ist nachzuweisen, die das Eingangsstudium um die fehlenden Komponenten ergänzt.
Praktische Qualifikation Während der praktischen Tätigkeit muß die Fähigkeit zur wissenschaftlichen Bearbeitung epidemiologischer Fragestellungen durch Berufserfahrung, Weiterbildung und verantwortliches Arbeiten erworben worden sein. Dies ist nachzuweisen durch erfolgreich abgeschlossene Projekte oder wissenschaftliche Publikationen in einem der Gebiete
(a) Planung, Durchführung und Auswertung epidemiologischer Studien oder
(b) Entwicklung, Anpassung und Erprobung epidemiologischer Verfahren.
Nähere Angaben zu den Tätigkeitsgebieten: Planung, Durchführung und Auswertung epidemiologischer Studien.
Kandidaten, deren praktische Weiterbildung sich auf diesen Bereich erstreckt, sollten bei mindestens zwei epidemiologischen Studien an der Planung, Durchführung und Auswertung verantwortlich mitgearbeitet haben. Diese Studien sollten weitgehend den Kriterien genügen, die im »Manual für die Planung und Durchführung epidemiologischer Studien« der GMDS und DGSMP aufgeführt sind.
Als beispielhaft sei die verantwortliche Bearbeitung folgender Teilprobleme genannt:
- Planung: Fallzahlabschätzung, Fragebogenentwicklung, Probandenzugang, Stichprobenziehung
- Durchführung: Felderschließung, Probandenbetreuung, Studiennonitoring, Befragung, Funktionsdiagnostik
- Auswertung: Datenhaltung und -aufbereitung, statistische Analyse, Interpretation, Berichterstellung
- Theoretische Weiterbildung
Die theoretische Weiterbildung hat zum Ziel, das zur absolvierten Hochschulausbildung komplementäre Grundlagenwissen in Epidemiologie zu vermitteln. Sie kann durch Fortbildungskurse sowie durch Selbststudium erfolgen, wobei der folgender Stoffkatalog zugrunde zu legen ist.
Stoffkatalog Der Bewerber muß über eingehende Kenntnisse in den Gebieten A-D sowie in zwei Spezialgebieten aus E verf'ügen, die im Rahmen eines Hochschulstudiums oder der Weiterbildung erworben wurden.
A Grundlagen der Epidemiologie
- Geschichtliche Entwicklung
- deskriptive und analytische Epidenüologie
- Maße (z.B. Inzidenz, Prävalenz, relatives, attributables Risiko)
- Rolle von Zufall, Verzerrung und Störvariablen
- Studientypen (z.B. Fall-Kontroll-Studien, Kohortenstudien, Querschnittstudien, Interventionsstudien)
- Screening, Monitoring, Register
B Medizinische Informatik und Biometrie
- Grundlagen der medizinischen Informatik (Standardtechniken und Werkzeuge wie Text-, Datenbank- und Auswertungssysteme)
- Medizinische Dokumentation (Schlüssel, Register etc.)
- Medizinische Informations- und Kommunikationssysteme
- Datenschutz
- Betriebssysteme/Datenbanksysteme/Statistikprogrammpakete
- Deskriptive Statistik (z.B. Lage- und Streuungsmaße, Standardisierung)
- univariate Tests (z.B. Zwei- und Mehrstichprobentests, Analyse von Überlebenskurven, etc.)
- multivariate Verfahren (z.B. Varianzanalyse, Regressionsanalyse)
Schätzung des Stichprobenumfangs
- Bias, Confounding, Interaction
- Ergebnispräsentation
C Biologische und Medizinische Grundlagen
- Medizinische Terminologie
- Biochemie
- Anatomie
- Physiologie
- Klinische Chemie
- Allgemeine Pharmakologie/Toxikologie
- Pathologie
- Humangenetik
- Grundlagen in einem klinischen Fach aus den Bereichen Innere Medizin, Chirurgie, Allgermeinmedizin
D Sozialwissenschaftliche Anwendungsbereiche der Epidemiologie
- Bevölkerungswissenschaft und Demographie
- Struktur und Organisation des Gesundheitswesens
- Gesundheitsplanung -
- Gesundheitsökonomie
- Gesundheitserziehung
E Epidemiologische Spezialgebiete Vertiefte Kenntnisse in zwei Gebieten:
- Statistische Methoden in der Epidemiologie
Krebsepidemiologie
- Epidemiologie der Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Infektionsepidemiologie
- Epidemiologie im Bereich der Arbeitsmedizin/Umweltmedizin
- Klinische Epidemiologie
- Rheumaepidemiologie
- Epidemiologie im Bereich Genetik/Reproduktion
- Pharmakoepidemiologie
Der Anerkennungsausschuß kann im Einzelfall auch andere Spezialgebiete zulassen.
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