Arbeitsgruppe

Arzneimittelinformationssysteme (AIS)

Schwerpunkte der AG Arzneimittelinformationssysteme

Ein zentraler Baustein der modernen Medizin ist die Arzneimitteltherapie. In Deutschland stehen etwa 60.000 zugelassene und registrierte Arzneimittel mit insgesamt ca. 12 000 Wirkstoffen zur Verfügung. Etwa 21 000 zugelassene Arzneimittel sind nicht verschreibungspflichtig. Auch wenn Ärzte im Rahmen der Arzneimitteltherapie für ihre Patientengruppe nur eine Auswahl aus der kompletten Bandbreite an Arzneimitteln einsetzten, ist es objektiv unmöglich, dass zum Verordnungszeitpunkt ohne Hilfsmittel alle Informationen zum Patienten und zum Arzneimittel zur Verfügung stehen. Ebenso ist es in der Apotheke nicht möglich, ohne Hilfsmittel den Patienten qualifiziert individuell zu beraten.

Um eine bessere Sicherheit der Arzneimitteltherapie zu ermöglichen, kommt es darauf an, zum Zeitpunkt der Verordnung in der Praxis oder im Krankenhaus bzw. der Abgabe in der Apotheke durch eine anwenderfreundliche digitale Unterstützung die benötigten Informationen zur Verfügung zu stellen. Dies spielt insbesondere vor dem Hintergrund von Selbstmedikation eine wichtige Rolle.

Beim Medikationsprozess kommen immer mehr Softwareprogramme zum Einsatz, die eine katalog- und wissensbasierte Unterstützung direkt beim Verordnen bzw. bei der Abgabe ermöglichen. Diese Arzneimittelinformationssysteme sind zentrales Thema der AG.

Ziele der AG Arzneimittelinformationssysteme sind:

  • Förderung der Qualität von Informationssystemen für Arzneimittel (hierzu zählen unter anderem Arzneimittel-Datenbanken,  Praxis- und Krankenhaus-Informationssysteme aber auch Arzt- und Apotheker bei der Verordnung und AMTS-Prüfung unterstützende Systeme wie CPOE/CDSS)

  • Vernetzung von Nutzern, Analysten, Herstellern hinsichtlich der Erfahrungen und Probleme mit Arzneimittelinformationssystemen fördern

  • Erarbeitung von Orientierungshilfen und Lösungsvorschläge zur Verbesserung von Arzneimittelinformationssystem (z.B. Standards, Methodik)

 Die AG Arzneimittelinformationssysteme wird auf der GMDS Tagung am 3. September 2018 ihre Arbeit in neuer Besetzung aufnehmen. Dazu soll bei dieser Veranstaltung auch eine neue AG Leitung inklusive Stellvertretern gewählt werden.

Da der Begriff Arztinformationssysteme mit der Abkürzung „AIS“ neuerdings im Rahmen der Information von Ärzten über Entscheidungen über die frühe Nutzenbewertung nach § 35 SGB-V gebraucht wird, soll auch über eine Namensänderung der Arbeitsgruppe nachgedacht werden.

Tätigkeiten der Arbeitsgruppe

Tätigkeit vom 1. Oktober 2020 bis 31. Dezember 2020

Die Aktivitäten der AG AIS im Zeitraum vom Oktober bis Dezember 2020 waren aufgrund der Corona-Pandemie nur eingeschränkt möglich. Nichtsdestotrotz hat die AG AIS ihre Ziele weiter verfolgt, die Qualität von digitalen Anwendungen bzw. Informationssystemen für Arzneimittel zu fördern, Nutzerprobleme zu diskutieren und Orientierungshilfen bzw. Lösungsvorschläge anzubieten.

Bundeseinheitlicher Medikationsplan (BMP) nach §31a SGBV

Da die Umsetzung des BMP in den eMP durch das Vorziehen des e-Rezepts durch den Gesetzgeber ins Stocken geraten ist, wurden auch die Aktivitäten der AG AIS auf Letzteres konzentriert. Nichtsdestotrotz soll weiter an Empfehlungen für die Strukturierung von Daten des BMP bzw. eMP gearbeitet werden, vorrangig für die Dosierungsangaben. Letztere sind nun auch gesetzlich auf dem Rezept bzw. dem Medikationsplan vorgeschrieben und ein wichtiges Element um die Arzneimittelsicherheit zu verbessern.
 
e-Rezept

Die  AG AIS verfolgt die Entwicklung des e-Rezepts und versucht, sich mit Umsetzungsvorschlägen zu beteiligen. Die AG AIS unterstützt die Forderung der GMDS, das e-Rezept als Baustein von eMP und ePA zu interpretieren und eine entsprechende Einbindung der e-Rezeptdaten anzustreben. Allein durch die Strukturierung der Daten fördert das e-Rezept grundsätzliche Anforderungen an die gute Verordnungspraxis (z.B. vollständige, lesbare Verordnung). Das e-Rezept setzt damit mind. 30% der Anforderungen für eine gute Verordnungspraxis (vgl. gleichnamigen Handlungsempfehlung des APS:  „Aktionsbündnisses für Patientensicherheit“). Es bedarf aber weiterer Maßnahmen um das Potential des e-Rezepts diesbezüglich zu steigern und das Potential stärker auszuschöpfen. Das eRezept digitalisiert die Verordnung, aber noch zu wenig den Verordnungsprozess.

Forderungen der AG AIS in Bezug auf das e-Rezept:
  • Die e-Rezept Spezifikation sollte stärker die etablierte Fachterminologie verwenden
  • Das eRezept sollte für alle Apotheker in jedem Setting leicht zugänglich sein
  • Der e-Rezept sollte auch pharm. Dienstleitungen stärker erfassen (Rezeptbearbeitung)
  • Das e-Rezept sollte die Arzt-Apotheker-Kommunikation digital einbinden 
  • Das e-Rezept sollte stets zeitnah neben dem eMP in der ePA gespeichert werde
 

Digitale Fachinformationen

Die AG AIS hatte sich auf die Agenda genommen, die Digitalisierung von Fachinformationen, die häufig Bausteine in Arzneimittelsoftware sind und zur Information von Fachleuten wie auch von Patienten verwendet werden, zu fördern. Es existiert zu dem Thema ein europäisches Kooperationsprojekt, aus dem Empfehlungen für eine Umsetzung von e-Produktinformation (ePI) hervorgegangen sind (Electronic product information for human medicines in the EU: key principles  - A joint EMA–HMA–EC collaboration[1], Stand 29.01.2020). Darin werden verschieden Vorteile von ePIs dargestellt, weitere Schritte für eine Umsetzung oder ein Zeitplan fehlen jedoch.

Weitere Themen:

  • Forums für Anwenderprobleme mit Arzneimittel-/Verordnungssoftware und FAQs
  • Informations-/Positionspapier zum Thema Arzneimittel-Software und Digitalisierung des Medikationsprozesses mit Darstellung von Vor-und Nachteilen verfügbarer Softwaresysteme.
  • Entwurf von Qualitätskriterien für Arzneimittel-Datenbanken bzw. Software
  • Spezifikation von Datensätzen für Arzneimittel mit besonderem Interesse.
     

GMDS-Webkonferenz: Politischer Abend „E-Rezept für PatientInnen“ am 17. 12. 2020

Im Rahmen des Politischen Abends der GMDS hat sich die AG AIS mit einem Vortrag zum Thema „Nutzen des e-Rezepts für PatientInnen“ (Dr. K. Boldt) beteiligt. Darin wurde der Datenumfang des e-Rezepts dargestellt und die Funktion des e-Rezepts im Medikationsprozess erläutert.  Es wurde herausgearbeitet, dass viele Patientenwünsche an das e-Rezept noch nicht erfüllt werden können. Dies betrifft insbesondere die schnelle Verfügbarkeit von Informationen über die Medikation, bei der das e-Rezept nur ein Auszug darstellt. Diese ließe sich aber perspektivisch in Kombination mit eMedikationsplan (eMP)  und ePatientenakte (ePA) realisieren (s.a. unter e-Rezept).

Anmerkungen der AG AIS zur Euopean Strategy 2020 vom 09.10.2020
Die AG AIS hat sich im Rahmen des Besuchs des GMDS-Präsidenten beim „FEAM European Biomedical Policy Forum“ mit einem Positionspapier zur European Strategy 2020 geäußert.

Archiv der Tätigkeitsberichte

  • AKTIVITÄTEN IM JAHR 2018

    AKTIVITÄTEN IM JAHR 2018

    Tätigkeit vom 1. Januar 2018 bis 31. Dezember 2018

    Im Zeitraum vom Januar 2018 bis Dezember 2018 konnte die AG AIS der GMDS über ihre personelle Mitarbeit (Aly, Boldt) in der Arbeitsgruppe zum bundeseinheitlichen Medikationsplan nach §31a SGB-V auf eine schrittweise Harmonisierung der Inhalte von Arzneimitteldatenbanken im Hinblick auf Verbesserung der Qualität von Informationssystemen für Arzneimittel hin arbeiten.  

    Über eine Vernetzung von Nutzern, Analysten, Herstellern hinsichtlich der Erfahrungen und Probleme mit Arzneimittelinformationssystemen in den Primärsystemen konnten erste Lösungsvorschläge zur Verbesserung von Arzneimittelinformationssystem (z.B. Standards, Methodik) skizziert werden.

    Zukünftige Themen der AG werden sein

    • maschinenlesbare „elektronische Fachinformationen“ (Positionspapier)
    • Weiterbildungsmöglichkeiten für Ärzte und Apotheker im Bereich Digitalisierung (Positionspapier)
    • Schaffung eines Forums für Anwenderprobleme mit Arzneimittel-/Verordnungssoftware
    • Beschreibung von Mindestanforderungen an Arzneimittel/Verordnungssoftware (AMTS-Prüfmodule)